Ein Jahr im Passivhaus

Auf dem Riedberg gibt es einige Passivhäuser, mit denen man den CO2-Ausstoß für das Heizen weitestgehend vermeiden kann. Für uns Grund genug, uns diese Passivhäuser einmal näher anzusehen, denn sie weisen gegenüber konventionellen Häusern einige Besonderheiten auf:

Die Wände sind besonders gut gedämmt und das Haus muss so gebaut werden, dass es weitgehend luftdicht ist. Sogar unter dem Fundament befindet sich eine Dämmschicht. In einem Passivhaus gibt es keine Heizung, denn das Haus wird im Wesentlichen durch die Eigenwärme der Bewohner und die Abwärme der Haushaltsgeräte gewärmt.

Des Weiteren sind die eingebauten Fenster thermoaktiv, d. h. durch die einfallenden Sonnenstrahlen werden sie zu Heizkörpern. Daher braucht man im Sommer die Möglichkeit, die Fenster mit Markisen, Außenjalousien oder Rollläden zu verschatten.

Zudem gibt es in einem Passivhaus eine Lüftungsanlage, durch die das Haus ständig mit frischer Luft versorgt wird. Durch diese wird die Zuluft im Winter umweltschonend erwärmt und im Sommer gekühlt.

  • Doch wie lebt es sich in einem Passivhaus?
  • Funktioniert das Konzept zuverlässig?
  • Ist das Haus im Winter zu kalt oder ist die Luft zu trocken?
  • Darf man bei diesem Haus die Fenster öffnen?
  • Wie sind die Temperaturen im Sommer?
  • Und was gibt es für Besonderheiten?

Eine Familie auf dem Riedberg, die seit etwa 10 Jahren mit ihren Kindern in einem Passivhaus wohnt, wird ihr Leben in einem Passivhaus für uns beschreiben:

Winter: Wird die eingestellte Temperatur gehalten?

Der Winter 2019/2020 war sehr mild und die Temperaturen reichten fast nie an den Gefrierpunkt heran. Zudem regnete es fast in einem durch. Wie in den Jahren zuvor, sind wir mit der voreingestellten Innentemperatur von 20° C durch den Winter gekommen.

Für uns ist das eine angenehme Temperatur sowohl zum Wohnen als auch zum Schlafen, denn in einemPassivhaus ist die Temperatur in den meisten Räumen im Wesentlichen gleich. In unseren zehn Jahren im Passivhaus konnte die eingestellte Temperatur des Hauses immer gehalten werden, auch in wesentlich kälteren Wintern.

Wie funktioniert das?

Im Winter wird die Zuluft zunächst mithilfe der Wärmekollektoren vorgewärmt, die etwa 1,50 m tief im Erdboden flach verlegt werden. Dann wird sie durch einen Wärmetauscher geleitet, in dem die Abluft ihre Wärme an die Zuluft abgibt.

Sollte die Luft dann immer noch nicht die gewünschte Temperatur haben, wird sie durch elektrische Energie zusätzlich aufgeheizt, die wir von einem Ökostromanbieter beziehen. Den Stromverbrauch hierfür kann ich nicht beziffern, aber wir haben im Jahr einen Gesamtstromverbrauch von rund 5000 Kilowattstunden für die ganze Familie.

Die Warmwasserproduktion wird bei uns zudem durch Solarthermie unterstützt: Kollektoren auf dem Dach wandeln die Sonnenenergie in Wärme um und erhitzen damit das Wasser in einem Kessel .

Fenster öffnen?

Im Winter sollte man die Fenster besser geschlossen lassen, da das Passivhaus ansonsten zu viel Wärme verliert. Frische warme Luft kommt kontinuierlich über die Lüftungsanlage in Haus.

Daher muss man – anders als in konventionellen Häusern – auch nicht lüften. Im Winter empfinden wir dies als Vorteil, denn man muss sich um das Lüften nicht kümmern und hat nie wie anderen Häusern eiskalte Luft im Haus, die durch eine Heizung erst wieder mühsam aufgeheizt werden muss.

Trockene Luft?

Weil der letzte Winter so mild war, haben wir die Luft im Passivhaus nie auch nur ansatzweise als trocken empfunden. Selbst in den kälteren Wintern zuvor war dies nur an wenigen Tagen im Januar oder Februar der Fall.

Das waren immer die Tage, an denen die Außentemperaturen seit Längerem am Gefrierpunkt oder darunter lagen. Laut unserem Hygrometer fiel die Luftfeuchtigkeit an diesen Tagen auf unter 32 Prozent, wobei die Luft in vielen konventionellen Häusern mit Heizung unter diesen Bedingungen ebenso trocken gewesen sein dürfte. Aus Interesse haben wir immer mal wieder unsere Daten mit denen aus einem anderen konventionellen Haus verglichen.

Mit entsprechenden Gegenmaßnahmen (insbesondere Aufhängen von nasser – nur leicht geschleuderter – Wäsche) haben wir es bisher weitgehend geschafft, auch an den sehr kalten Tagen die Luftfeuchtigkeit bei noch angenehmen 32 Prozent zu halten.

Frühjahr: Module tauschen

Das Frühjahr 2020 war sehr sonnig und trocken. Daher haben wir Anfang April den Wärmetauscher aus der Lüftungsanlage ausgebaut und das Sommermodul eingesetzt. Das Wintermodul haben wir dann mit etwas Wasser gereinigt und nach dem Trocknen in einem Regal verstaut. Dort wartet es auf seinen nächsten Einsatz im Winter.

Mit dem Sommermodul wird die Zuluft nicht mehr durch die Wärme der Abluft aufgeheizt. Gleichzeitig haben wir die Wunschtemperatur auf 5° Celsius herabgesetzt, so dass die Zuluft jetzt lediglich über die Kollektoren im Boden gekühlt ins Haus geleitet wird. Die Zuluft wird aber trotz dieser Einstellung nicht auf 5°C heruntergekühlt, das geben die Bodenkollektoren nicht her. Eine Kühlung der Zuluft wie bei einer Klimaanlage findet beim Passivhaus nicht statt; die Kühlung ist also umweltfreundlich.

Fenster öffnen!

Im Frühling und Sommer öffnen wir in der Frühe die Fenster und lassen die kühle Morgenluft herein. Bevor die Außen- die Innentemperatur übersteigt, schließen wir die Fenster wieder.

So steigt die Innentemperatur im Frühling und Sommer nur langsam und moderat an. Und selbst wenn es im Frühjahr noch ein paar kalte Tage geben sollte, bleibt die Temperatur im Passivhaus konstant. Im Mai hatten wir eine Innentemperatur von 21° Celsius und – gemessen am 15.05.2020 – eine Luftfeuchtigkeit von etwa 40% im ganzen Haus. Wenn es draußen regnet, klettert die Luftfeuchtigkeit im Haus auch schon mal auf gut 50%.

Markisen, Rollläden & Co.

Die Fenster an der jeweiligen Sonnenseite verschatten wir ab Mittag leicht mit einer Markise bzw. Rollläden. Hell genug ist es dennoch im Haus, denn wenn die Sonne scheint, ist es sogar in Zimmern, die mit Rollläden teilweise verschattet werden, immer noch angenehm hell.

Die schönste Art der Verschattung ist für uns die Markise. Um diese am Haus anbringen zu können, braucht man Schwerlastkonsolen, die keine Kälte- bzw. Wärmebrücken bilden, etwa den gleichen Dämmungswert wie die Dämmung haben und dennoch so hart sind, dass man eine Markise auf diesen verschrauben kann.

Bevor man eine Firma beauftragt, sollte man sich durch kritische Fragen vergewissern, dass diese sich auch tatsächlich mit Passivhäusern auskennt und das erforderliche Know-how mitbringt. Das Schöne ist: Es gibt solche Firmen inzwischen tatsächlich und es gibt auch entsprechende Schwerlastkonsolen und Dübel, so dass man Markisen und Lampen am Haus trotz der 30 cm dicken Dämmschicht ohne Kältebrücken anbringen kann.

Wartung

Einige Besonderheiten gibt es zudem bei der Wartung des Passivhauses: Der Gerätefilter, der Staub und Pollen aus der Luft filtert, muss alle drei Monate gewechselt werden. Das haben wir in diesem Monat gemacht. Jetzt versuchen wir, einen Wartungstermin für unsere Lüftungsanlage zu organisieren. Dies ist oft nicht so einfach, da es hierfür anscheinend nicht genügend qualifizierte Handwerker gibt.

Fazit

Das Leben im Passivhaus ist sehr angenehm und nebenbei umweltfreundlich. Man muss sich nicht ums Lüften kümmern und hat dennoch immer frische Luft im Haus. Die Temperatur im Haus schwankt über das Jahr nur leicht zwischen 20°C im Winter und 25°C im Sommer. Schön finden wir auch, dass man keine Heizkörper braucht und dadurch mehr Platz hat.

Der Wartungsaufwand und die Stromkosten sind nicht höher als bei einem konventionellen Haus. Außerdem kann man mit einem Passivhaus bei hoher Wohnqualität fast 3.000 kg CO2 pro Jahr und Person sparen.  

Vor diesem Hintergrund ist es schade, dass es die Stadt Frankfurt auf dem Riedberg versäumt hat, einen höheren Anteil an Passivhäusern bei der Wohnbebauung vorzusehen. Die Baufirmen werden diese nicht freiwillig anbieten, da ihre Margen dann geringer sind. Umso wichtiger wäre es, von staatlicher oder städtischer Seite mehr Vorgaben zu machen. Hoffentlich hilft dieser Blog dabei, Vorbehalte auf Seiten der Bauherren und der Politik abzubauen. Andere Städte sind im Bereich der Passivhäuser weiter…

Weiterführende Informationen gibt es etwa auf der Webseite des Passivhaus-Instituts und auf dessen Wissensseite. Wenn Ihr Fragen zu Passivhäusern habt, sendet uns diese gerne an unsere Kontaktadresse: kontakt@klimaschutz-initiative-riedberg.de.