Mein Naturgarten

Habt Mut und öffnet Eure Gartentore

Wir möchten Euch ermutigen, Neues auszuprobieren und die Natur in Euren Garten zu lassen. Warum? Weil dies ein Schritt in ein nachhaltigeres Leben mit Respekt vor unserer Natur ist. Sie ernährt uns schließlich, und wir brauchen sie.

Warum ist naturnahes Gärtnern eine gute Wahl für uns alle? Wie geht naturnahes Gärtnern und welche Vorteile bringt es Euch? All dies wollen wir Euch hier erläutern.

Wir machen Euch Pflanzvorschläge und stellen Euch anspruchslose Wildpflanzen vor, die Euren Garten aufleben lassen. Welche neuen Besucher Ihr damit in Euren Garten lockt und wie Ihr diese willkommen heißt, haben wir auch für Euch zusammengetragen. Also: Habt Mut und öffnet Eure Gartentore!

Die Hintergründe „kurz und knapp“

Vom Verlust von Biodiversität – also der Tier- und Pflanzenarten – wird oft gesprochen. Er birgt für uns Menschen Gefahren, die uns mehr und mehr bewusst werden. Ein Beispiel ist der Verlust der Bestäuber: Insekten wie Bienen, Schwebfliegen, Käfer usw. In den letzten 30 Jahren sind in Deutschland die Insektenbestände um beängstigende 80 Prozent zurückgegangen. Die kleinen Tierchen leisten uns Menschen einen großen Dienst: Ohne sie könnten Pflanzen keine Samen und Früchte ausbilden. Eine Landwirtschaft, die uns Menschen zuverlässig ernähren kann, wäre nicht möglich.

Was können wir tun?

Die Landwirtschaft ist hier ein Teil des Problems, da der Großteil der Insektizide (Insektengifte) und Herbizide (Pflanzengifte) auf den Feldern ausgebracht wird. Über unser Kaufverhalten können wir darauf Einfluss nehmen, z. B. indem wir Bio-Produkte kaufen. Denn in der Bio-Produktion ist der Einsatz von Pestiziden viel strenger geregelt.

Bei der Ernährung haben viele Bürger:innen das Problem erkannt. Aber beim eigenen Garten sieht es häufig anders aus: Es werden Insektizide gegen Blattläuse, Milben oder Schildläuse eingesetzt. Herbizide sollen kleine sprießende Pflänzlein zwischen den Pflastersteinen in der Einfahrt im Keim ersticken. So sind auch in vielen Gärten auf dem Riedberg sterile Grünflächen oder sogar Steingärten entstanden, die Insekten keine Nahrung oder Brutmöglichkeiten bieten und damit auch Singvögeln, Eidechsen und Säugetieren wie z. B. dem Igel keine Nahrung liefern.

Wusstet Ihr das? Seit 1800 sind in Deutschland die Singvogelbestände um 80 Prozent zurückgegangen. Kann uns das egal sein? Nein, denn Singvögel singen nicht nur, sie fressen auch Schädlinge wie Raupen, Schnecken und Fliegen aus unserem Garten, die wir dort nicht haben möchten. Die Natur ist ein Kreislauf. Bricht ein Element weg, kommt alles durcheinander.

Hier hilft das naturnahe Gärtnern. Denn dabei wird:

  1. Wasser nur sparsam eingesetzt
  2. Auf das synthetische Düngen komplett verzichtet (zum Wohle der Böden und des Grundwassers)
  3. Schädlingen nur mit biologischen Mitteln begegnet.

Worauf kommt es beim naturnahen Gärtnern an?

Wie bei allen Themen gibt es auch beim naturnahen Gärtnern viele verschiedene Meinungen und Schwerpunkte. Die meisten stimmen aber in den folgenden 4 Grundprinzipien überein:

Bei der Auswahl der Pflanzen auf einen möglichst hohen Wert als Nahrungspflanze für Insekten und andere Tiere wie Singvögel achten. Wildpflanzen haben ungefüllte Blüten, d. h. man erkennt deutlich die Staubblätter mit dem Pollen daran in der Mitte einer jeden Blüte.

Bei der Auswahl der Pflanzen eine ausgedehnte Blühzeit des Beets berücksichtigen, um Insekten über viele Monate Nahrung bieten zu können. Hier sind besonders die Randmonate (Januar bis März und September bis Dezember) zu beachten, da in dieser Zeit in der Regel das Nahrungsangebot für Insekten sehr klein ist.

Heimische Sorten wählen, die unseren Tieren besonders im Winter Nahrung bieten. Dabei ist das Wort „heimisch“ hervorzuheben. Viele Pflanzen aus dem Gartencenter kommen aus anderen Ländern und werden von unseren heimischen Tieren nicht angenommen. Hier sollte der Nutzen über die Optik gestellt werden.

Strukturen im Garten schaffen, z. B. durch Trockenmauern, Totholzelemente, Stein-, Sand- und Laubhaufen o. ä. Habt Mut, wilde Ecken zuzulassen, in denen Ihr verblühte Pflänzlein stehen oder Laub an ausgewählten Stellen liegen lasst. Dann heißt es: Einfach nur beobachten, was passiert. Spatzen kommen ganz sicher und holen sich die Samen, die aus den trockenen Blütenständen herausgefallen sind. Stellen mit dichterem Bewuchs sind Rückzugsorte für Insekten, und den Laubhaufen braucht der Igel dringend als Winterquartier.

Wenn Ihr diese vier Schwerpunkte setzt, kommt das Leben von ganz allein in den Garten. Etwas mehr Artenvielfalt im eigenen Garten und der Mut zu ein wenig mehr „Unordnung“ und Naturnähe könnte viel bewirken.

Typische Fragen zum naturnahen Gärtnern

Die folgenden Fragen werden häufig an uns gerichtet, wenn wir mit Interessierten über naturnahes Gärtnern sprechen. Vielleicht findet Ihr hier auch Antworten auf die eine oder andere Frage, die Ihr noch habt.

Welche Vorteile bietet ein naturnaher Garten?

Die Vorteile des naturnahen Gärtnerns sind vielfältig. Im Vordergrund steht dabei der Nutzen für die Natur: heimischen Insekten, Vögeln und anderen Wildtieren Nahrung und Brutplätze zu bieten.

Wildpflanzen sind grundsätzlich einfacher zu pflegen und anspruchsloser als hochgezüchtete Sorten. Heimische Wildpflanzen benötigen zumeist:

  1. weniger Wasser und
  2. weniger Nährstoffe, da sie an nährstoffarme Böden angepasst sind.

Sie sind also meist besser an das heimische Klima angepasst und robuster z. B. gegenüber Frost. Damit sind Wildpflanzenbeete in der Regel auch preiswerter und langlebiger als konventionelle Beete.

Einige Arten sind mehrjährig, einige Arten nur einjährig und säen sich dann, sofern man sie lässt, zuverlässig im Beet selbst aus. Sie suchen sich selbst den Standort, an dem sie am besten gedeihen. Das Beet zeigt sich jedes Jahr in einem neuen Antlitz und mischt Farben und Blüten in immer neuen Kombinationen.

Welche Nachteile gibt es beim naturnahen Gärtnern?

Die Blüten von Wildpflanzen sind nicht so groß und üppig wie hochgezüchtete Sorten. Das heißt jedoch nicht, dass nicht auch ein Wildpflanzenbeet bunt und attraktiv im Vorgarten eines Riedberger Gartens erblühen kann.

Was ist der Unterschied zwischen gefüllten und ungefüllten Blüten?

Wildpflanzen haben ungefüllte Blüten, das bedeutet: Außen liegen die Blütenblätter und innen die Staubblätter, an denen der Pollen klebt. Hoch gezüchtete Sorten haben oft gefüllte Blüten, d. h. die inneren Staubblätter mit dem Pollen wurden durch Züchtung so verändert, dass sie ebenfalls wie die äußeren Blütenblätter aussehen. Die Blüte sieht voller aus, aber wird dadurch wertlos für die Natur, da die Blüten Insekten keinen Pollen als Nahrung mehr bieten.

gefüllte Blüten:

Rose (Quelle: Matti Blume*)
Dahlie (Quelle: Pauli-Pirat*)
Narzisse (Quelle: 4028mdk09*)

ungefüllte Blüten:

Apfelblüte (Quelle: Dietmar Rabich*)
Sonnenhut (Quelle: MadeleineSchäfer*)

Pfingstrose (Quelle: 4028mdk09*)

Kann ich Wildpflanzen auch im Topf auf dem Balkon pflanzen?

Wir haben hier hauptsächlich über Wildpflanzen im eigenen Garten geschrieben. Da Wildpflanzen oft sehr anspruchslos sind, eignen sich auch viele Arten für die Pflege im Topf. Ein wunderbares Werk dazu ist das Buch Das Wildpflanzen Topfbuch von Reinhard Witt. Der Autor beschreibt zahlreiche geeignete Wildpflanzenkombinationen, die er teilweise über mehrere Monate mit Fotos dokumentiert hat. Das Buch kann bei der Auswahl von geeigneten Wildpflanzen für den Balkon sehr hilfreich sein.

An dieser Stelle auch ein Veranstaltungshinweis für alle Riedberger*innen mit Balkon. Vom 26. Februar bis 07. März 2021 findet der 6. Online Bio-Balkon Kongress unter dem Motto „Kann man Tiere pflanzen“ statt. Die Teilnahme ist kostenlos.

Wo kann ich Wildpflanzen kaufen?

Eine Liste von anerkannten Wildpflanzengärtnereien hat der Naturgarten e. V. erstellt. Die Liste findet Ihr hier. Oder meldet Euch direkt bei uns, um Online-Anbieter zu erfragen und Erfahrungen auszutauschen.

Wo bekomme ich Fachwissen zum naturnahen Gärtnern?

Der Naturgarten e. V. hat in seinem Shop eine umfangreiche Bücherliste zum naturnahen Gärtnern zusammengestellt. Schaut dort gerne vorbei und lasst Euch anregen.

In den nächsten Wochen bekommt Ihr hier immer wieder konkrete Infos von uns, was Ihr beim Anlegen eines Wildpflanzenbeetes beachten solltet.

Habt Ihr Fragen zum naturnahen Gärtnern oder Anregungen, wie wir diese Seite noch ergänzen können? Möchtet Ihr selbst Teil unserer Gruppe werden? Meldet Euch gern bei uns unter naturgaertnern@klimaschutz-initiative-riedberg.de.

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*Quellenangaben Fotos:

Dahlie: Pauli-Pirat, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons

Rose: Matti Blume, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons

Narzisse: 4028mdk09, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons

Sonnenhut: MadeleineSchäfer, CC BY-SA 3.0 <http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/>, via Wikimedia Commons

Pfingstrose: 4028mdk09, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons

Apfelblüte: Dietmar Rabich / Wikimedia Commons / “Dülmen, Hausdülmen, Blüten der -Dülmener Rose- — 2015 — 5697” / CC BY-SA 4.0